Medienpädagogischer Unterricht

im Rahmen des Berliner Längsschnitt Medien


Im Rahmen der Dissertationsschrift von Matthias Kleimann wurde das dreiphasige Medienlotsen-Unterrichtsprogramm für Kinder dritter bis fünfter Schulklassen entwickelt und mithilfe eines feldexperimentellen, randomisierten Kontrollgruppendesigns zu fünf Messzeitpunkten an einer Stichprobe von N = 495 Kindern im Hinblick auf seine kurz- und mittelfristigen Effekte evaluiert. Mit dem Nachweis eines Medienunterrichtseffekts auf die schulische Leistung der Kinder trägt diese Arbeit auch zur Forschung zum Zusammenhang zwischen elektronischer Mediennutzung und Schulleistungen bei. Es wurden drei Kernbefunde für die schulische Medienerziehung abgeleitet:
  1. Schulische Medienerziehung ist notwendig: Die Arbeit zeigt, dass eine beträchtliche Anzahl von Kindern und Jugendlichen zeitlich, inhaltlich oder funktional problematische Mediennutzungsmuster entwickeln, welche negative Effekte auf Schulleistungen, Sozialverhalten und weitere Lebensbereiche der Betroffenen haben. Abschließend werden verschiedene theoretische Ansätze zur Vermeidung problematischer Mediennutzungsmuster diskutiert. Dabei wird die Grundschule als Instanz identifiziert, von der wirksame medienerzieherische Impulse zu erwarten sind. Aus dieser Erkenntnis heraus wird schließlich das Medienlotsen-Unterrichtskonzept für die Grundschule entwickelt.
  2. Schulische Medienerziehung ist möglich: In der Dissertationsschrift wird herausgearbeitet, dass medienerzieherische Unterrichtsinhalte - trotz fehlender klarer Verankerung im Fächerkanon – durch bestehende Curricula bereits ausreichend gefordert werden. Insbesondere werden konkrete Anknüpfungspunkte für medienerzieherische Aktivitäten sich im Deutsch- und Sachkundeunterricht identifiziert. Am Beispiel des Medienlotsen-Unterrichtsprogramms wird in der Arbeit gezeigt, wie Lehrkräfte ohne spezielle Expertise in Fragen kindlicher Mediennutzung medienerzieherisch tätig werden können und so in einen kritischen Dialog mit den Kindern über problematische Mediennutzung und deren Alternativen eintreten. Überprüft werden diese Ableitungen durch die Implementationsevaluation des Medienlotsen-Programms, welche im Rahmen der Längsschnittstudie Berliner Längsschnitt Medien durchgeführt wurde. Die Analyse von Lehrkräftebefragungen zum Verlauf des Unterrichts weist dabei auch auf Probleme bei der nachhaltigen Etablierung medienerzieherischer Unterrichtsinhalte sowie mögliche Optimierungspotentiale hin.
  3. Schulische Medienerziehung ist wirksam: Anhand der Effektevaluation des Medienlotsen-Unterrichtsprogramms im Berliner Längsschnitt Medien wird schließlich gezeigt, dass das Medienlotsen-Programm insbesondere Effekte bei der Vermeidung inhaltlich und funktional problematischer Mediennutzung von Kindern hatte. Der Befund, dass der Medienlotsen-Unterricht auch Effekte auf die Schulleistungen der teilnehmenden Kinder in Mathematik hatte, weist auf die Notwendigkeit weiterer Theorieentwicklung in diesem Bereich hin. Dabei werden Anhaltspunkte für die These präsentiert, dass die Beeinträchtigung schulischer Leistungen durch dysfunktional-kompensatorische Mediennutzungsmuster zu erklären sein könnte.

Veröffentlichungen

Kleimann M. (2011). Medienlotsen gesucht! Konzeption und Evaluation einer Unterrichtseinheit zur Prävention problematischer Mediennutzungsmuster bei Schülerinnen und Schülern dritter bis fünfter Klassen im Rahmen des Berliner Längsschnitt Medien. Baden-Baden: Nomos Verlag. (Schnelle Direktbestellung über den Verlag)

Unterrichtsmaterialien verfügbar unter: www.medienstudie.twoday.net