Warum brauchen wir ein KFN?


Die Kriminalität wird in unserem Land immer stärker als Bedrohung erlebt. Die Forschung über Ursachen, Auswirkungen und Kontrolle des strafbaren Verhaltens hat deshalb wachsende Bedeutung. Diese Forschungsfragen können jedoch nicht allein mit den Theorien und Methoden einer Fachdisziplin befriedigend beantwortet werden. So lassen sich vielfach erst aus der Kombination von psychologischen Erklärungsangeboten und soziologischen Deutungsmustern taugliche kriminologische Hypothesen entwickeln. Das Handeln der Kontrollinstanzen wiederum und die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf die Betroffenen können oft erst dann umfassend analysiert werden, wenn man auch Juristen und Pädagogen in die Forschungsteams integriert.


Die vertikal in getrennte Fachbereiche gegliederten Universitäten bieten weniger Möglichkeiten einer fächerübergreifenden Kooperation von Forschungsteams. Das KFN ist eines der wenigen Institute in Deutschland, in dem optimale Rahmenbedingungen für die in der Kriminologie unverzichtbare Interdisziplinarität geschaffen werden konnten. Hinzu kommt, dass ein kleines, unabhängiges Forschungsinstitut mit eigener Geschäftsführung meist flexibler und schneller auf aktuelle Fragestellungen reagieren kann als die in große Verwaltungsapparate eingebundenen Universitätsinstitute.


Gleichzeitig hat das KFN aufgrund seiner Teamstruktur den nötigen langen Atem für Langzeitprojekte (vgl. z.B. das mittlerweile abgeschlossene Projekt "Entwicklungsfolgen der Jugendstrafe" und das laufende Projekt "Die KFN-Schülerbefragungen"). Und schließlich erwachsen aus der im KFN erreichten Konzentration auf empirische Feldforschung weit intensivere und häufigere Außenkontakte, als sie für Universitätswissenschaftler üblich sind. Das KFN kann dadurch in besonderer Weise die Rolle eines Mittlers zwischen kriminologischer Wissenschaft einerseits und Praxis und Politik andererseits übemehmen und so zu einer vernünftigen, von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägten Kriminalpolitik beitragen.